Die Salzburger Festspiele von A bis Z: In einem „kulturMontag Spezial aus Salzburg“, der am 30. Juli live aus dem Malersaal des Großen Festspielhauses kommt, begrüßt ORF-TV-Kulturchef Martin Traxl Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, Regie-Berserker Hans Neuenfels, der heuer Tschaikowskys „Pique Dame“ in absoluter Top-Besetzung inszenieren wird, und Publikumsliebling Samuel Finzi. Nach der abendlichen Vorstellung ist auch ein Studiobesuch der „Buhlschaft“ Stefanie Reinsperger samt den „Jedermann“-Musikern vom „Ensemble 013“ geplant.
Rausch, Leidenschaft, Ekstase – mögen die Spiele beginnen
A wie anspruchsvoll, atemberaubend oder außergewöhnlich, B wie berauschend, berühmt oder berüchtigt, C wie charismatisch, charmant oder chancenreich: ein kleines, bruchstückhaftes ABC für Österreichs wohl glanzvollstes und glamourösestes Festival. Für Langzeit-Präsidentin Helga Rabl-Stadler sind die Salzburger Festspiele „das Epizentrum des Besonderen“, für Intendant Markus Hinterhäuser ein Ort, um das Ohr aufzuwecken, die Augen und das menschliche Denken, ein Fest abseits des Alltags. Auch in seinem zweiten Jahr richtet der Kulturmanager gemeinsam mit der Schauspiel-Chefin Bettina Hering ein Mammutspektakel der künstlerischen Extraklasse aus.
D – wie Dionysos
Gemäß des Festspiel-Mottos stellt der „kulturMontag“ die Fragen: Was passiert während der Vorstellungen mit der Künstlerin bzw. dem Künstler auf der Bühne? Mit der Zuschauerin bzw. dem Zuschauer im Publikum? Inwiefern versetzen Musik, Malerei, Literatur den Menschen in Ekstase und Manie? Über die psychischen und physischen Auswirkungen von Kunst sprechen der Wissenschaftler Winfried Menninghaus, Dirigent Franz Welser-Möst, Intendant Markus Hinterhäuser, Maler Hubert Scheibl, Sänger Rolando Villazón und Schauspieler Tobias Moretti.
E – wie Energiebündel
Asmik Grigorian wurde die Musik schon in die Wiege gelegt. Die litauische Sopranistin war schon im vergangenen Sommer in Salzburg als „Marie“ in Alban Bergs gefeiertem „Wozzeck“ in der Regie von William Kentridge zu sehen. Heuer wagt sich die unprätentiöse Sängerin an die Titelpartie von Richard Strauss' Oper „Salome“, in der Inszenierung des Bildermagiers Romeo Castellucci. Wird Asmik Grigorian vielleicht zum Superstar der Saison?
F – wie Freigeist
TV-Star und Theater-Schauspieler Samuel Finzi: Bei den Festspielen brillierte er vor Jahren als Feldherr Amphitryon auf der Perner-Insel, heuer ist Finzi in dem Zweipersonenstück „Kommt ein Pferd in die Bar“ nach dem beklemmenden wie brillanten Roman des israelischen Autors David Grossman zu sehen. Er spielt darin einen Stand-up-Comedian, der zu seiner letzten Vorstellung antritt, um mit seinem Leben abzurechnen. Ein Stück voll von jüdischem Humor und ohne Tabus über Schmerz und Schuld, die Shoah und ihre Opfer und über Israels Palästinenser-Politik.
G – wie Gassenhauer
Mit Mozarts Dauerbrenner „Die Zauberflöte“ werden die diesjährigen Festspiele eröffnet. 220-mal wurde das Stück im Rahmen des Festivals bereits gezeigt, in diesem Jahr versucht sich die US-amerikanische Regisseurin Lydia Steier an dem Stoff, einer klassischen Rettungsgeschichte mit Prinz und Prinzessin, einer mächtigen Königin und einem bösen Priester. Happy End inklusive. Warum gerade die „Zauberflöte“ ein solch hartnäckiger „Schlager“ ist, darüber rätseln Musikwissenschafter, Opernintendanten und Dramaturgen schon seit der Uraufführung der Oper in Wien im Jahr 1791. Liegt es an den Gassenhauern wie der berühmten Arie der „Königin der Nacht“ oder dem „Vogelfänger“-Lied des Papageno? Oder an der märchenhaften, wenn auch verworrenen Handlung oder gar an der geheimnisumwitterten Freimaurer-Symbolik? Lydia Steier, die im alten Österreich familiäre Wurzeln hat, bettet die Oper in eine Rahmenhandlung. Sie rollt die „Zauberflöte“ aus der Sicht von drei Knaben aus einer reichen Wiener Familie auf, deren Großvater die fantastische wie spannende Geschichte von Tamino und Pamina, Papageno und Papagena, von der Königin der Nacht und ihrem Widersacher Sarastro erzählt. Die deutsche Bühnenbildnerin Katharina Schlipf verwandelt das große Festspielhaus in eine atemberaubende, märchenhafte Landschaft. Superstar Matthias Goerne singt den „Sarastro“, Christiane Karg die „Pamina“ und Klaus Maria Brandauer übt sich als Einspringer, ersetzt er doch als erzählender Großvater den kurzfristig erkrankten Bruno Ganz.
Z – wie Zaster
206 Aufführungen in 42 Tagen, darunter 38 Opern, 54 Schauspiele, 83 Konzerte, 16 Kindervorstellungen und eine Gala-Soiree mit Künstlern der „Pique Dame“: Das werden die diesjährigen Festspiele. Die ganze Stadt wird Bühne, was wohl den Festspielgründer Max Reinhardt nur freuen würde. Für Stadt und Land bedeuten die Salzburger Festspiele aber nicht nur, mit Kunst und Kultur im Rampenlicht zu stehen, sondern sie sind auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Steuern und Abgaben der Salzburger Festspiele spülen jährlich 77 Millionen Euro in die Kassen der öffentlichen Hand. Mit 3.000 bis – in der Hochsaison – 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind sie einer der größten Arbeitgeber in Salzburg. Ein Festspielgast bleibt durchschnittlich sechs Tage und gilt zudem als spendabel. Einer Studie der Wirtschaftskammer Salzburg zufolge generieren die Salzburger Festspiele jährlich eine Wertschöpfung von salzburgweit 183 Millionen und österreichweit 215 Millionen Euro. Die Tourismusbranche jubelt, doch wie verkraftet die mit rund 150 000 Einwohnerinnen und Einwohnern viertgrößte Stadt Österreichs den Ansturm der Reisenden?




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